Elternzeit - mein Weg zu mir selbst

18 Juli 2017

Die Geburt meines ersten Kindes hat mein Leben so stark verändert wie noch kein Ereignis zuvor. Alle bisherigen Vorstellungen meines Lebens wurden neu geordnet. Spätestens mit Beginn des Mutterschutzes bin ich aus meinem "alten Leben" ausgestiegen und habe ein neues Kapitel aufgeschlafen.  Ich bin Vollzeit-Mama. Viele in meinem Umfeld meinten "Da kannst du die Zeit ja richtig genießen und entspannen, bevor du wieder anfängst, zu arbeiten". Solche Aussagen haben mich zum Nachdenken angeregt. Ist Elternzeit mit freier Zeit gleichzusetzen oder ist es nicht vieleher ein Fulltime-Job, den man gegen seinen 8-Stunden-Arbeitstag eingetauscht hat?

 

Quelle: Pixabay (Abrufdatum 17.07.17)

 

Als ich im Mai 2016 meinen positiven Schwangerschaftstest in der Hand gehalten habe, war es noch eine gefühlte Ewigkeit bis Dezember bis zum Beginn des Mutterschutzes und damit der vorläufigen Beendigung meiner beruflichen Tätigkeit.
Ich habe bis zum letzten Tag gearbeitet und mir um das Thema Elternzeit bis dato gar keine Gedanken gemacht. Erst als ich zu Hause war, habe ich das erste Mal mit meinem Mann darüber gesprochen, da wir angefangen hatten, alle notwendigen Dokumente auszufüllen. Elterngeld, Elterngeld Plus, Partnerschaftsmonate... Die Dokumente zur Beantragung der Elternzeit waren sehr umfangreich. Um keinen Fehler zu machen, war ich bei der Elterngeldberatungsstelle, da ich neben meiner Arbeit als Angestellte noch selbständig bin und deswegen noch mehr ausfüllen musste. Wenn ihr euch unsicher seid, ob ihr wirklich alles richtig ausgefüllt habt, kann ich euch die Beratungsstelle in eurem Heimatort wirklich ans Herz legen. Ich wurde ausführlich beraten und fehlende Angaben wurden ergänzt.

 

Es hat einige Zeit gedauert, bis ich den Schalter umlegen konnte und losgelassen habe.

 

Ich habe mich entschieden, bis September 2017 Elternzeit zu beantragen und ab Oktober dann wieder meiner Halbtagsstelle nachzugehen. Noch schwanger fand ich diese Zeit unheimlich lang und fragte mich auch manchmal, was ich denn alleine zu Hause machen sollte. Das Thema Baby und alles, was damit zusammenhängt, war mir irgendwie noch fremd. Ich war noch im Arbeitsmodus, wartete auf Anrufe und kam mir irgendwie nutzlos war. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich den Schalter umlegen konnte und losgelassen habe. Ich war jetzt zu Hause und würde bald ein Baby bekommen.
Die ersten Wochen nach der Geburt waren für mich aufgrund von schweren Geburtsverletzungen nicht einfach. Eine neue Situation, ein "fremder" Mensch, weniger Schlaf, Schmerzen durch die Geburt... Es hat doch einige Zeit gedauert, bis sich unsere kleine Familie komplett eingespielt hat und ich meine Mutterrolle und auch die Elternzeit genießen konnte. Es ist keinesfalls so, dass Elternzeit mit freier Zeit gleichzusetzen ist. Natürlich ist man zu Hause, aber trotzdem hat man viel zu tun. Eigentlich ist es ein Fulltime-Job, 24h rund um die Uhr. Stillen, Kuscheln, Baby an- und ausziehen, Windeln wechseln, Füttern, Spazieren gehen, Arztbesuche, Rückbildung, Krabbelgruppen,... Es ist keinesfalls so, dass mir zu Hause langweilig wird. Ich habe genauso viel beziehungsweise sogar mehr zu tun, verglichen mit einem normalen 8-Stunden-Arbeitstag. Es wirkt nach außen hin einfach nur anders, da ich ja "offiziell" nicht arbeite. Ich arbeite aber ganz schön viel zu Hause, nur wird das einfach nicht so wahrgenommen, als wenn man einer beruflichen Tätigkeit nachgeht. Ich habe Respekt vor allen Mamas, die 2, 3 oder sogar noch mehr Kinder zu Hause haben, denn man muss wirklich viel organisieren und Hausarbeit, Putzen und Einkaufen fällt auch noch an.

 

Was ist, wenn die Kleine ihr erstes Wort sagt oder ihre ersten Schritte macht, wenn ich arbeite?

 

Trotzalledem bleibt Zeit, um die vergangenen Jahre zu reflektieren und zu überlegen, wie es nach der Elternzeit mit mir weitergeht. Ich kehre zwar ab Oktober wieder in meinen Beruf zurück, die Stelle ist aber auf 2 Jahre befristet und ich weiß nicht, ob es danach in derselben Position für mich weitergeht. Ich werde 20 Stunden pro Woche arbeiten - 2 Tage im Unternehmen, 1 Tag im Homeoffice. Natürlich kann ich dann nicht mehr rund um die Uhr für meine Tochter da sein, was mich traurig macht. Aber zum Glück ist sie bei ihren Omas und Opas, die sich jetzt schon darauf freuen. Was ist, wenn die Kleine ihr erstes Wort sagt oder ihre ersten Schritte macht, wenn ich arbeite? Davor habe ich Angst, aber es kann natürlich passieren. Deswegen wird es umso wichtiger sein, meine verfügbare Zeit nach der Elternzeit intensiv mit meiner Familie zu genießen.
Wenn ich so in ruhigen Momenten (z.B. nachts beim Stillen) die letzten 10 Jahre Revue passieren lasse, dann denke ich, dass ich doch das Meiste richtig gemacht habe und auch wieder so tun würde. Natürlich trauert man einiger verpasster Chancen hinterher. Am Meisten macht es mich traurig, dass es so lange gedauert hat, bis ich den Schalter umgelegt habe und an meinem Gewicht etwas geändert habe. Ich könnte schon viel weiter sein, als ich jetzt bin und das stimmt mich etwas nachdenklich. Mit dem, was ich studiert habe, bin ich nach wie vor zufrieden, trotzdem weiß ich nicht, ob ich es heute noch einmal studieren würde. Denn mittlerweile interessieren mich neben dem Thema Ernährung und Essen noch andere Themen. Wahrscheinlich würde ich heute etwas in Richtung Kommunikation, PR und Social Media studieren oder eine Ausbildung als Fotografin machen. Naja, vielleicht ergibt sich in den nächsten 2 Jahren in dieser Richtung noch etwas. 

 

Mit Beginn des Mutterschutzes und der Elternzeit ist eine gewisse Art der Entschleunigung eingetreten.

 

Der berufliche Alltag ist oftmals sehr stressig und man ist in einem Hamsterrad gefangen, was sich unausweichlich und ohne Pausen dreht. Mit Beginn des Mutterschutzes und der Elternzeit ist eine gewisse Art der Entschleunigung eingetreten. Keine Abgabefristen, kein Leistungsdruck, keine Überstunden - Ich und mein Baby sind momentan wichtig (natürlich auch mein Mann und mein zweites Baby, mein Online-Shop). Ich hätte nie gedacht, dass ich es so lieben würde, Mama zu sein und Zeit zu Hause mit meinem Baby verbringen zu dürfen. Deswegen bin ich auch dankbar, dass Frauen in Deutschland Elternzeit, in der man einen Teil seines ursprünglichen Gehaltes erhält, ermöglicht wird. Denn das war nicht immer so und ist heutzutage auch nicht in allen Länden Normalität. Mein Cousin hat eine US-Amerikanerin geheiratet und lebt mit ihr in der Nähe von Los Angeles. Sie sind mittlerweile auch Eltern und wenn ich höre, wie es dort Schwangeren und jungen Müttern ergeht, bin ich sehr froh, dass ich in Deutschland lebe.


Wie habt ihr eure Elternzeit erlebt? Wie lange nehmt ihr Elternzeit? Was haltet ihr überhaupt von Elternzeit?


Eure Natascha

 

Kommentare:

  1. Ich habe keine Kinder und war dementsprechend noch nie in Elternzeit. Natürlich ist es wohl nicht lustig, wenn das Kind eine anstrengende Phase durchmacht, nächtelang schreit und man tagsüber rumsteuert wie ein Zombie. Trotzdem glaube ich, dass es immer noch schöner ist, als ein bezahlter Job. Gerade in der heutigen Zeit ist man in der Arbeitswelt einem hohen Druck ausgesetzt und bekommt diesen von Außenstehenden aufgebrummt. Natürlich hat man in der Eltenzeit nicht 24/7 nur Zeit für sich. Aber wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue, gibt es auch recht pflegeleichte Babys und gerade jetzt im Sommer, kann ich nur mit Neid auf die Mütter blicken, die den Tag entspannt im Freibad verbringen, während ich den ganzen Tag über im Büro sitze und nach Feierabend noch schnell ins Freibad hetze um wenigstens noch 2 Stunden schwimmen gehen zu können. Ich hoffe du verstehst was ich meine und verstehst es nicht falsch.

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    1. Na klar verstehe ich das. Ich war ja selber in der gleichen Situation all die Jahre zuvor. Mittlerweile kann ich sehr gut vergleichen und es ist mindestens genauso anstrengend. Man denkt es nicht, aber es ist so. Man hat kein Feierabend, egal wie schlimm der Tag war. Natürlich ist es jetzt schön, im Sommer daheim zu sein. Aber auch genau bei diesem Wetter sind die Kinder sehr durcheinander. Ich dachte letztes Jahr auch, dass ich mir einen schönen Sommer im Garten mache. Das geht aber nur bedingt...

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  2. Ich habe 2 Kinder im Abstand von 16 Monaten. Bei beiden bin ich Zuhause bis sie im Kindergarten sind. Habe beidemale 3 Jahre Elternzeit genommen. Klar muss man den Gürtel enger schnallen aber es lohnt sich. Ausserdem arbeiten alle Omas und Opas noch so das ich auf eine Kita angewiesen wäre und das wollte ich auf keinen Fall. Ich verstehe Menschen die sagen oh die hat ja jetzt 6 Jahre frei und alles easy. Aber ich bin ehrlich es gibt Zeiten da denke ich ach jetzt so ne Woche arbeiten wär entspannend und ich habe als Palliativkraft im Krankenhaus gearbeitet. Früher bin ich mit Handtuch und Buch ins Freibad. Heute bin ich erstmal ne Stunde mit packen beschäftigt. Und im Freibad dann nicht mit Sonne tanken sondern damit zu schauen das Kind 1 nicht ohne Schwimmflügel ins Becken springt und Kind 2 nicht Pommes vom Boden aufsammelt. Versteht mich nicht falsch ich Liebe es, aber es ist tatsächlich so das man 24 Std. 7 Tage die Woche beschäftigt ist. Denn neben Kindern Haushalt und Mann ist man ja auch noch selber da �� Ich liebe es Mama zu sein und bereue nicht eine Sekunde mich gegen Karriere sondern für vollzeit Mama entschieden zu haben. Aber zu unterschätzen ist es auf keinen Fall

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